Wo sich die Spreu vom Weizen trennt – Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit und Selbstdisziplin (Teil 2)

In diesem Blogeintrag hier haben wir festgestellt, dass Selbstdisziplin eng mit Zuverlässigkeit verwoben ist und ich habe Ihnen versprochen, einmal zu erklären, worauf es bei Selbstdisziplin ankommt.

„Wenn du nicht naschen willst, geh nicht in die Küche!“, formulierte Donna aus der Serie Suits so treffend, als es darum ging, einer Versuchung zu widerstehen. „Es stellte sich heraus, dass ich bereits in der Küche stehe“, erwiderte Donnas Kollegin.

Gut, das sieht erstmal nach einer verfahrenen Situation aus. Doch es gibt einen Ausweg.

 

Schritt #1

Wie auch beim Thema Zuverlässigkeit ist es wichtig, den Überblick zu wahren und sich seiner Kapazitäten als auch seiner Grenzen bewusst zu sein. Visualisieren Sie also in einem ersten Schritt, was Sie noch erledigen müssen oder was Ihre Ziele sind. Das können Aufgaben auf Arbeit oder Zuhause sein oder neue Gewohnheiten wie zum Beispiel mehr Sport treiben oder das Smartphone ab 20 Uhr abschalten. Brainstormen Sie alles auf eine To-Do-Liste oder in ein Mindmap. Setzen Sie an dieser Stelle noch keine Prioritäten, sondern breiten Sie erstmal alles vor sich aus.

 

Schritt #2

Anschließend können Sie die verschiedenen Punkte in eine Reihenfolge bringen. Die Boston-Matrix beispielsweise hilft dabei, Aufgaben zu ordnen.

Jedes Feld steht für eine andere Priorität in absteigender Reihenfolge:

  1. Fette Kühe brauchen Futter und Zuwendung um Milch zu geben. Hier liegen Themen, welche mit kontinuierlicher Zuwendung auch ihre emotionale und finanzielle Stabilität garantieren.
  2. Alte Hunde stehen für Aufgaben, welche zwar viel Aufmerksamkeit erfordern, jedoch keinen Nutzen mehr bringen. Alte Hunde brauchen ständig Nahrung, stellen jedoch keinen Einbrecher mehr.
  3. Sternschnuppen symbolisieren Visionen oder Zukunftspläne.
  4. In den Fragezeichen kann Potenzial stecken, muss aber nicht. Fragezeichen stehen für sämtliche Ideen in Bezug auf ihre Lebensbereiche, die sie als zu verrückt abtun würden. Diese Kategorie dient als Sammelpool für alle Ideen, den Sie hin und wieder durchwühlen sollten.

Der erste Schritt zu mehr Selbstwirksamkeit ist also getan. Sie haben Licht ins Dunkel gebracht und Ordnung auf Ihrer Agenda. Dann haben Sie sich eine erste Belohnung verdient und dürfen „zurück in die Küche“.

 

Schritt #3

Im nächsten Schritt nehmen Sie sich die einzelnen Aufgaben vor, setzen sich Deadlines oder zerlegen die Punkte in kleinteilige Zwischenziele. Wichtig dabei ist, dass Sie die Zwischenziele so setzen, dass Sie sie auch erreichen können. Überschätzen Sie sich nicht! Dranzubleiben und Ihre eigenen Deadlines zuverlässig einzuhalten gelingt nicht, wenn Sie sich zu viel aufbürden. Je mehr kleinteilige Erfolge Sie feiern können, desto mehr Selbstwirksamkeit entwickeln Sie und können sich mit der Zeit an Ihre Grenzen herantasten.

 

Schritt #4

Um gänzlich neue Gewohnheiten zu etablieren eigenen sich im Übrigen sogenannte „Mikrogewohnheiten“. Wollen Sie beispielsweise jeden Tag ab 20 Uhr das Smartphone beiseitelegen, könnten Sie mit einer „medienfreien Stunde“ pro Woche beginnen. Wenden Sie sich dabei eine Stunde ganz bewusst von Ihrem Smartphone ab. Nur eine Stunde pro Woche. Daraus machen Sie vielleicht schon bald einen „medienfreien Abend“ pro Woche. Nach und nach steigern Sie sich in Ihre neue Gewohnheit rein.

Stephen Guise ist der König der Mikrogewohnheiten. Er wollte fitter werden und mehr Sport treiben. So startete er die One-Push-Up-Challenge: Einen Liegestütz jeden Tag. Das klingt lächerlich wenig. Doch ein Jahr später befand sich Guise nicht nur in körperlicher Bestform, sondern hatte auch weitere Projekte, z.B. das Schreiben eines Buches vorangetrieben.

Nehmen wir also fünf Minuten Sport pro Tag. Nur fünf Minuten, nicht mehr und nicht weniger. Dann sind das im Jahr immerhin 30h und das ist auf alle Fälle besser als nichts.

Gewohnheiten zu etablieren erfordert Ausdauer, machen wir uns nichts vor. Doch mit bewusst gesetzten Mikroschritten laufen Sie keine Gefahr, sich zu überfordern und verlieren Ihr Ziel dennoch nicht aus den Augen. Wenn das nicht diszipliniert ist!

 

Schritt #5

Ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu mehr Selbstdisziplin fehlt aber noch. Nämlich das, was Donnas Kollegin in der „Küche“ findet: eine Belohnung. Schon allein über eine Belohnung nachzudenken und sie zu visualisieren kann unheimlich motivierend wirken. Seien sie daher nicht knausrig und schätzen Sie Erfolge in Ihrem harten Training zu mehr Selbstdisziplin.

Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit und Selbstdisziplin sind drei Worte, bei denen man sofort mit den Händen an der Hosennaht aufrecht stehen möchte. Tatsächlich sind sie oftmals das Zünglein an der Waage ob eine Zusammenarbeit funktioniert, ob man Aufstiegschancen hat und wahrgenommen wird. Sie sind Tugend, Anspruch und Ziel. Sie trennen die Spreu vom Weizen.

Beobachten Sie sich, testen Sie sich aus und finden Sie Ihren individuellen Weg zu mehr Verbindlichkeit und Selbstdisziplin. Aber lassen Sie sich dabei nicht allein. Fragen Sie Freunde oder Kollegen nach einer Einschätzung und lassen Sie von ihnen kleine Erfolge bewerten. Ich drücke Ihnen die Daumen und beantworte gern Ihre Fragen.

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