Eine Ode an das Brainwriting – Bereit für neue Ideen?

 

 

Ein alltägliches Problem

Wir befinden uns in einem herkömmlichen Meeting im großen Rahmen. Alle Kollegen und Kolleginnen sind dabei. Es wird ein neues Projekt gepitcht. Nun der entscheidende Satz vom Sprecher des Meetings: „Her mit Ihren Ideen zur Umsetzung des neuen Projekts! Wir sind für alles offen und gespannt auf Ihre Zuarbeit.“ Ein Flipchart wird aufgeklappt, der Sprecher öffnet einen roten Stift und hält ihn erwartungsvoll in die Luft. Im Raum peinliche Stille, gefolgt von einem milden Raunen. Schließlich meldet sich die Person, die sich immer meldet. Ungünstig. Wie viele Ideen wird es sonst noch geben? Was bleibt im Verborgenen?

Ganz offensichtlich hat sich der Leiter des Meetings von einer großen Gruppe auch einen großen Pool an Ideen erhofft und setzt nun auf die Magie des Brainstormings. Dabei hat er nun aber die Rechnung ohne die üblichen Dynamiken eines solchen Meetings gemacht.

 

 

Nachteile des Brainstormings

Das können unter anderem folgende Dinge sein:

  1. Extrovertierte Personen preschen mit Meldungen vor und eher schüchterne Personen trauen sich nicht, ihre Gedanken – welche den bereits gesagten Ideen in nichts nachstehen – anzubringen. Sie verkopfen und überlegen, ob ihr Beitrag überhaupt gewünscht ist und zum Rest passt. Gerade bei Gruppen, welche sich untereinander kaum oder gar nicht kennen, ist klassisches Brainstorming häufig keine gute Wahl. Das muss moderiert werden.
  2. Es besteht gerade unter unsichereren Personen die theoretische Angst, bloßgestellt zu werden. Ihre Idee könnte zerrissen oder angeprangert werden. Da schweigen sie doch lieber und lassen anderen Teilnehmenden den Vortritt.
  3. Jeder Einzelne hat wertvolle Ideen, die ein wichtiger Beitrag zum Thema sein könnten. Doch durch die ständigen Redebeiträge der anderen, werden die eigenen Gedanken ständig unterbrochen oder gar vergessen. Somit geht wertvoller Input verloren.
  4. Frühe Beiträge könnten zudem die Gedanken jedes Einzelnen dominieren und so werden kaum neue Ideen gefestigt. Wenn eine umsetzbare Lösung ausgesprochen wird, hört man häufig auf, nach der optimalen Lösung weiterzusuchen.

 

 

Die Alternative Brainwriting

Spielen wir die Situation vom Anfang nochmals durch: Das gleiche Meeting, die gleichen Personen und die gleiche Frage vom Sprecher des Meetings: „Her mit Ihren Ideen zur Umsetzung des neuen Projekts! Wir sind für alles offen und gespannt auf Ihre Zuarbeit.“ Es wird wieder ein Flipchart aufgeklappt. Doch anstelle eines klackenden Öffnens des roten Stiftes, werden nun mehrere Stapel Post-Its gemeinsam mit einem Filzstift an die Teilnehmenden verteilt. „Notieren Sie bitte pro Zettel eine Idee“, verkündet der Meetingleiter. Alle Teilnehmenden lassen für ein paar Minuten ihren Gedanken freien Lauf. Es wird niemand unterbrochen, niemand bloßgestellt und niemand beim Namen genannt. Willkommen in der Methodik des Brainwritings.

Brainwriting ist gerade bei großen Gruppen mit Menschen, die sich noch nicht so gut kennen oder keine Vertrauensbasis haben, eine gute Alternative zum Brainstorming.

Brainstorming und Brainwriting gemein ist das Ziel, zu einem Thema viele verschiedene Gedanken zu sammeln, zu ordnen und für den späteren Verlauf eines Projekts oder Problems umzusetzen.

Die großen Unterschiede liegen also in der ununterbrochenen Konzentration jedes Teilnehmenden auf die eigenen Gedanken und in der Anonymität. Alle Ideen werden auf Zetteln gesammelt, zusammengelegt und anschließend öffentlich aufgehangen, gruppiert und besprochen. Alternativ können die Teilnehmenden einen Zettel beschriften und ihn auch selbstständig an einem Whiteboard oder Flipchart anbringen. In jeden Fall aber verlassen die unterschiedlichsten Ideen den Kopf ohne Wertung und Beeinflussung durch andere.

Jeder Teilnehmende kann ungefiltert und selbstständig über das Thema nachdenken und die eigenen Gedanken notieren. Beim Brainstorming hingegen wird der Denkprozess, wie bereits gesagt, durch die Redebeiträge der anderen ständig unterbrochen. Brainwriting allerdings bremst nicht.

 

 

Keine Rivalen, sondern Teammates

Brainstorming und Brainwriting schließen sich, wenn man es geschickt anstellt, jedoch nicht gegenseitig aus. Auch beim Brainwriting ist ein Austausch der Teilnehmenden untereinander wichtig. Das kann zum Beispiel im Plenum nach der Präsentation aller Zettel in Form einer Brainstormingrunde geschehen. Hier werden nun gemeinsam alle Zettel zu Ideenkategorien gruppiert, kommentiert und für die Thematik bewertet.

Eine andere – wieder etwas ruhigere und vorsichtigere – Möglichkeit ist es, die Zettel untereinander zu tauschen und zu kommentieren. Jeder Teilnehmende bekommt also die anonymen Zettel eines anderen und arbeitet an dessen Ideen weiter.

In jedem Fall aber, leben sowohl Brainwriting als auch Brainstorming von der Inspiration durch andere.

 

 

Foto: unsplash

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